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Fusion der Wehren Amelgatzen, Hämelschenburg und Welsede

Was ist das Ehrenamt überhaupt noch wert ?


Nach freundlicher Genehmigung unseres Ehrenortsbrandmeisters, veröffentlichen wir hier teile seines Statements zu der angedachten Fusion der Wehren des Stützpunktes Amelgatzen. Eine Veröffentlichung des gesamten Statements ist aus der jetzigen Sicht jedoch nicht möglich.



"... Die Wehr Amelgatzen wurde im Jahre 1924 gegründet und auf Empfehlung der Verwaltung der Gemeinde Emmerthal 1984 zur Stützpunktwehr umgebaut. Im Jahre 2016 wird durch die Verwaltung ein Feuerwehrbedarfsplan auf Forderung des Landesrechnungshofes durchgeführt, in dem alle vorhandenen Mängel aufgedeckt wurden. Man hat sich im Anschluss zur Umsetzung des Bedarfsplanes ausgesprochen, um die vorhandenen Mängel zukunftweisend abzustellen. Die Wehr Amelgatzen hat aus meiner Sicht im vergangenen Jahr, bei den beiden Sitzungen des Arbeitskreises, bei dem der Ortsbrandmeister eingeladen war, stets konstruktiv und auf sachlicher Basis versucht, die von der Wehr, insbesondere die von der Einsatzabteilung (36 Brandschützer) beschlossenen Entscheidungen dort zu vertreten. Da auch den Brandschützern aus Amelgatzen klar war, dass die Erhaltung einzelner Feuerwehrhäuser im Bereich der Emmerschiene wohl eher weniger, aufgrund von Kosten, zum Tragen kommen würde, wurde sich ebenfalls auf einen möglichen Kompromiss verständigt. Dieser Kompromiss besagt, dass sie darin übereinstimmen, in ein gemeinsames neu zu errichtendes Feuerwehrhaus einziehen würden, sofern dieses zentral gesehen im Bereich Amelgatzen liegen würde und die Selbständigkeit der Wehren bis auf weiteres bestehen bleiben würde.

All dies wurde ordnungsgemäß von der Kommandospitze der Wehr Amelgatzen vertreten, da man der Ansicht war, dass gewachsene Strukturen nicht von heute auf morgen einfach so auszuradieren und etwas Neues, welches gleich uneingeschränkt funktionieren soll, sich etablieren Iässt. Weiterhin gilt festzuhalten, dass die Wehr über den gesamten Zeitraum immer geradeaus unterwegs war und sich nicht mit dem Wind gedreht hat. Dieses zeugt von Zusammenhalt und Entscheidungswillen und sollte nicht einfach so unter den Tisch gekehrt werden.

Wenn man der Wehr Amelgatzen Vorhaltungen machen will, dann ist es in meinen Augen diese, dass sie über den gesamten Zeitraum zu gutgläubig unterwegs gewesen ist, in der Annahme das ihnen aufgrund der Erkenntnisse des Bedarfsplans nicht allzu viel passieren würde und sie diesbezüglich das eine oder andere Mal etwas vehementer auftreten hätte können. Offensichtlich Iässt sich die Politik heutzutage von niedergelegten Helmen in ihrem handeln beeinflussen. Die rein sachliche Herangehensweise war schlussendlich die falsche Wahl auf die man gesetzt hatte und ein wenig mehr Aggressivität sicherlich förderlich gewesen wäre. Jedoch ist nach meiner Ansicht noch nicht aller Tage Abend und das ein oder andere sicherlich noch durchführbar.

Der Arbeitskreis hat sich in seiner Entscheidung auf den FBP berufen. Wer sich mit diesem Bedarfsplan beschäftigt hat, weiß, dass die getroffene Entscheidung mit Nichten der dort aufgelisteten Empfehlungen entspricht. Auch die allseits betonte bessere Tagesverfügbarkeit lässt sich durch solch eine Fusion auf den Daten des FBP 2016 nicht zurückführen. Diese Entscheidung trägt zur weiteren Demotivation der Einsatzkräfte bei, welche durch den jeweiligen noch vorhandenen Ortsbrandmeister und Stellvertreter sowie dessen Ortskommando aufgefangen werden müssen. Die Feuerwehren der Emmerschiene wurden leider zu keinem Zeitpunkt entschieden mit in den Entscheidungsprozess einbezogen, obwohl gute Ideen vorhanden gewesen wären. Andere Kommunen und Städte betrachten solch eine Thematik aus einem anderen, wie ich finde, rationalerem Blickwinkel, denn ihnen ist klar, dass voreilige Entscheidungen, gerade In Bezug auf Kosten, unweigerlich zu Verlust von Freiwilligen Einsatzkräften führen würde. Diese Städte wählen einen Weg, welcher sich aufgrund des FBP für die Wehren der Emmerschiene und der Erforderlichkeit von Wehren ebenfalls angeboten hätte. Beibehaltung der Stützpunktfeuerwehr und Schaffung von dazugehörigen Löschgruppen unter eigenem Namen im gemeinsamen Feuerwehrhaus. In diesem Fall hätte jede Wehr ihre Eigenständigkeit behalten und würde die Zusammenarbeit fördern, da man bei Ernstfällen zusammen alarmiert würde.

Die Zufriedenheit der Feuerwehren bei einer solch entscheidenden Maßnahme sollte im Vordergrund stehen und nicht die zu erwartenden Kosten. Die Entscheidung des Arbeitskreises über die Fusion wurde durch den Bürgermeister auf Grundlage der in 2016 ermittelten Daten verkündet. Das diese Daten jedoch schon 3 Jahre alt sind und sich in der einen oder anderen Sache schon eine Verbesserung eingestellt hat, spricht für sich.

Bei durchzuführenden Maßnahmen sollten stets die Ortswehren in diesen Entscheidungsprozess mit einbezogen werden. Ein Verlust von Einsatzkräften durch voreilige Maßnahmen sollte entschieden vorgegriffen werden. Trotz mehrfacher Äußerungen der 3 Wehren auf Selbständigkeit, welche im Übrigen konsequent ignoriert wurden, kommt man ganz schnell zu der Auffassung, dass alle Entscheidungen, welche im Grundsatz nicht die Schließung oder die Fusion der Wehren beinhaltet hätten, seitens der Politik nicht akzeptiert wurden. Es gab über das Jahr durchaus entsprechende Entwürfe seitens des Ingenieurs über ein gemeinsames Feuerwehrhaus für drei eigenständige Wehren, welche jedoch nicht weiterverfolgt wurden, obwohl dies höchstwahrscheinlich der bessere Weg wäre.

Diese Entscheidung kann nur aus Kostengründen getroffen worden sein und lt. Bericht vom 02.03.2019 ist keine der drei Wehren damit zufrieden. Bei der Durchsicht von anderen Berichten zu anderen Neubauten, welche durch den selben Ingenieur betreut werden, könnte man den Eindruck gewinnen, das die Kosten bei Emmerthal (2,5 Mio. €) in die Höhe getrieben wurden. Dieser Eindruck entsteht, wenn man ein vergleichbares Feuerwehrhaus in Halle (Bodenwerder) betrachtet, welches für 1,3 Mio. € gebaut wird und welches zusätzlich neben den unterschiedlichen Wehren auch noch mit einer Kinder- und Jugendfeuerwehr ausgestattet sein wird.

Zum Thema der Ersatzbeschaffung eines Tanklöschfahrzeuges, welches auf Begründung der Politik ebenfalls zu dieser Entscheidung beigetragen hat, möchte ich das folgende entgegnen: Der Antrag zu einer Neubeschaffung wurde erstmals 2007 durch den damaligen Ortsbrandmeister beantragt. Seit dem Jahr wurden immer wieder neue Gründe gefunden, diesen Antrag weiter nach hinten zu schieben, obwohl man der Feuerwehr immer wieder versichert hat, dass entsprechende Rücklagen gebildet würden. 12 Jahre danach beruft man sich nun auf den Bedarfsplan mit der Aussage, dass die Unterstellung eines großen Fahrzeugs und somit die Investition weiterhin zu warten hat, obgleich die Freigabe zur Unterstellung dieses Fahrzeugs durch den Unfallversicherer für einen Zeitraum X genehmigt werden würde. Auch diese Hinhaltetaktik gegenüber der Wehr macht es nicht einfacher, die Kameraden bei Laune zu halten, wenn man von ihnen verlangt mit einem 35 Jahre alten Fahrzeug quer durch Niedersachsen zu einem Einsatz zu fahren, obwohl nicht einmal das mindeste an Sicherheit (z.B. Anschnallgurte) an diesem Fahrzeug zum Personenschutz vorhanden sind. ...

Bezüglich der Art und Weise, wie sich die Spitze des Gemeindekommandos in der gesamten Diskussion verhalten hat, möchte ich mein Bedauern zum Ausdruck bringen, dass diese sich in der gesamten Zeit mit keiner Seite explizit beschäftigt haben. Auch so etwas wäre schon damals, zu meiner Zeit, ein absolutes NoGo gewesen. Es ist daraus auch nicht verwunderlich, dass die Kommandospitze der Ortswehr kein Vertrauen mehr in diese Spitze zu haben scheint.

Selbstverständlich ist der Wehr Amelgatzen klar, dass man mit Tradition kein Feuer löschen kann, jedoch sollte auch von der Politik beachtet werden, dass es eben diese Tradition ist, welche maßgeblich zur Einsatzfähigkeit, Zusammenhalt und zur Einigkeit der Wehr beiträgt und ohne diese Tradition eine funktionierende Wehr nicht möglich ist. Der Bürgermeister wünscht sich auch nach der Fusion die Beibehaltung der vorhandenen Traditionen, welche aufgrund der unterschiedlich gewachsenen Strukturen auch aus meiner Sicht so gut wie nicht möglich wäre und diese somit der Vergangenheit angehören würde.

Welch einen schweren Stand die Wehr zur Zeit aufgrund ihrer Überzeugung und Festhaltung an ihrer Entscheidung besitzt, lässt sich an Kleinigkeiten festmachen, welche auch von Seiten der Gemeindekommandospitze veranlasst wird. Die Wehr hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass man ihr in der Sache den Titel des Spielverderbers zuschreibt, jedoch sollte auch dahingehend beachtet werden, das jede Aktion eine Reaktion hervorruft, welche sich früher oder später offenbaren kann. Eine Titulierung als abweisend unhöflich, wie es im Bericht vom 02.03.2019 durch die Dewezet genannt wurde, weise ich als Ehrenortsbrandmeister jedoch entschieden zurück und würde mir eine sachliche Herangehensweise der Presse wünschen. Die Wehr Amelgatzen hat wie Hämelschenburg und Welsede nur ganz klar ihre Meinung vertreten und daran ist nichts unhöflich.

Es sollten sich alle politischen Parteien schlussendlich nochmals überlegen, ob der eingeschlagene Weg der Richtige für die Aufrechterhaltung des Brandschutzes im Bereich der Emmerschiene ist, da wenn diese Fusion nicht zur Durchführung kommt oder nicht hält, die Politiker sich dieses Scheitern auf die eigene Fahne schreiben können. Eins ist auch klar: Beim Ehrenamt ist der Eintritt freiwillig, der Austritt aber auch.

Und bevor sich das nächste Mal ein Politiker, wie 2017 und 2018 auf den Hauptversammlungen geschehen, vor die Kameraden der Wehr stellt und bekundet wir tun alles für unsere Feuerwehren, eine Schließung wird es von politischer Seite nicht geben, auf uns kann die Feuerwehr immer zählen, wäre gut beraten, vorher genau zu überdenken welches politische Statement damit einher geht.

Zum guten Schluss meiner Ausführungen ist auch nach Unterredung mit unserem Ortsbrandmeister Renee Mitschke festzuhalten, dass der Brandschutz bis 2023 selbstverständlich aufrecht erhalten wird und die Kameraden alles in ihrer Macht stehende dafür tun werden, das Wohl als auch das Hab und Gut der Bürger mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen. Es gibt im Endeffekt nur eine zufriedenstellende Lösung für alle drei Wehren:

Amelgatzen wird als Stützpunktwehr ausgebaut und Hämelschenburg und Welsede kommen als eigenständige Wehr mit ihren Fahrzeugen dazu. Das Ehrenamt ist das höchste Gut einer Gemeinde, darum sollte man alles tun um es auch zu erhalten. Diese Männer und Frauen haben sich freiwillig bereit erklärt Hab und Gut der Bürger zu schützen und das unentgeltlich. 24 Stunden am Tag für dieses Amt zur Verfügung zu stehen. Wer von den Entscheidungsträgern ist für solch eine Leistung bereit? Lassen Sie bitte den Wehren ihre Eigenständigkeit sowie sie es sich wünschen, denn eine nicht funktionierende Fusion bringt unserer Gemeinde gar nichts. ..."

Wolfgang D.

Ehrenortsbrandmeister
Feuerwehr Amelgatzen